Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Innsbruck

02. Februar 2026

Am 20. Jänner 2026 haben wir, die Wahlfachgruppe in Kunst, die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Innsbruck besucht.

Im letzten Stock der Unibibliothek haben wir einen ersten Blick und Eindruck von der Terrasse des historischen Saals bekommen und hinter mehreren Sicherheitstüren unser Abenteuer in die Sondersammlung gestartet.

Ein kleines Skriptorium mit Mal - und Zeichenutensilien, Farben, Pergament und Leder für das Buchbinden und tausend Jahre alte Bücher empfangen uns - die erklärende und humorvolle Stimme der Kunsthistorikerin Frau Wilhelm begleitet jedes kleine und sonst übersehbare Detail und weckt die hundert Jahre alten Geschichten von den staubigen Büchern auf, zu leben (die Bücher waren natürlich staubfrei dank der Konservatoren-Kollegen, aber ein magischer Staub der Neugier lag darüber) - eine Magie wie ein Fantasyfilm - ein großes Buch öffnet sich, die Stimme wird zu Bildern, die vor unseren Augen über die ganze Welt und das Universum erzählt. Philosophische und kartographische Fragen über die Flachheit oder Rundheit der Planeten werden aufgeworfen - ein unsichtbarer Schreiber schreibt und zeichnet im Buch unlesbare Zeichen, Buchstaben, Skizzen und Meisterwerke mit kostbaren Farben aus ferner Länder - wir rennen durch die Zeiten und die Welt mit dem Erzähler in Renner-Handschrift, wir nehmen in Thomas von Aquins mittelalterlichen Unterricht teil, wir reisen zu den Römern und lernen, wie aus Schilf Papyrus entsteht. Wir hören überrascht, dass sich das Wort Buch von dem Baum Buche ableitet - so ein langer, aber gleichzeitig kurzer Weg. Wir staunen über das kleinste Buch der Welt, nicht größer als ein Mikrochip unserer Zeit - ich habe in der Schule immer von so einem „Schluckbuch“ fantasiert - wie schön wäre es mit einem Schluck das ganze Wissen zu erfassen - fast ein faustischer Gedanke. In unseren Händen halten wir 24-karatiges Gold und seltene Steine für Verzierungen - Steine und Gold, die aber von den Sternen zu uns auf die Erde, wie ein Regen von Wissen und Kunst, fallen. Unsere Schritte werden schneller, unsere Augen größer und wir hören das Gequietsche der Druckpresse mit den neu erfundenen mobilen Buchstaben - von hier geht alles mit Lichtgeschwindigkeit weiter bis zur Digitalisierung, mit einer in Graz erfundenen Maschinerie, die den halben Raum in Anspruch nimmt - eine Kombination aus Staubsauger und Fotoapparat - jetzt habe ich euer Interesse geweckt :) Nach der Digitalisierung schließt sich das alte Buch wieder für eine lange Zeit und nimmt seinen Platz unter den anderen alten Büchern wieder ein, um gut im Dunkeln und in der Kühle, Tag und Nacht, in den, durch Elektronik monitorisierten Depots, ungestört zu schlafen und zu träumen. Vielleicht wartet es darauf, dass es wieder jemand entdeckt und aufschlägt (was im Mittelalter übrigens eine sehr sportliche Aktivität war) - ab diesem Zeitpunkt wird ein Abbild jeder Buchseite, wie ein Spiegelbild aus Licht und Farbe, das Internet bewohnen - nur ein paar Klicks entfernt, immer abrufbar, immateriell, aber trotzdem präsent. Ich frage mich, wie Thomas von Aquin reagieren würde, wenn er sähe, dass das, damals mit so viel

Mühe erworbene Wissen, heute in ein paar Sekunden und wenigen Klicks entfernt ist, von egal welchem Punkt auf unserem Planeten.

Bevor wir uns verabschieden, probieren wir selbst noch das Federschreiben mit Tusche auf handgemachtem, gesiebtem und wassergezeichnetem Papier aus. Das weckt auch den sympathischen Bibliothekswichtel auf und macht ihn neugierig auf uns. Diese Erinnerungen werden uns lange Zeit begleiten.

Viele herzliche Dankeschöns an Frau Wilhelm und ihr unendliches, fachliches Wissen und Gespür für Vermittlung und an Herrn Zerlauth, dem Direktor der Sammlungen, für die Gastfreundlichkeit und diese unvergessliche Erfahrung!

Raul Ciosescu, bildender Künstler

Sondersammlung Innsbruck

Die Reise der Bücher

Vor etwa fünftausend Jahren konnte man hören, wie der Wind durch die Papyrusfelder wehte. Diese Pflanzen haben unsere Geschichte verändert. Sobald sie zu Geweben verarbeitet waren, konnte man darauf schreiben. Ich erinnere mich noch daran, wie anstrengend es war, Pergamentrollen zu halten und abzurollen.

Glücklicherweise wurden später Geräte aus Holz entwickelt. Natürlich schrieb man im alten Rom nicht auf Holz! Das wäre lächerlich! Man schrieb auf Wachs. Das Holz schützte das Wachs. Es handelte sich um eine Art Tafel. Man schrieb mit einer Art Metallnadel, an deren Ende sich eine Schaufel befand. Damit konnte man das Wachs zerdrücken und Fehler ausradieren.

Jahre später eroberte das Christentum Europa. Damals konnten die Armen diese Codes, die Geschichten und Ereignisse aus dem Leben erzählten, nicht entschlüsseln. Diese Geschichten wurden in Klöstern geschrieben und gelesen. Können Sie sich vorstellen, in einem kalten, mit Büchern gefüllten Raum zu schreiben, der nur von Kerzen beleuchtet wird? Allerdings gab es keine Möglichkeit, sich abzulenken. Nur der Geruch von Holz und Weihrauch zog die Aufmerksamkeit deiner Nase auf sich. Aber gut, wenn man stundenlang isoliert in einer Bibliothek in völliger Stille saß, war es doch nur menschlich, sich zu erschrecken, wenn man die Kirchenglocken hörte, oder? Das durchbrach die Monotonie des Geräusches der Feder, die über das Papier strich, nicht wahr? So verbrachten die Mönche Tausende und Abertausende von Stunden. Mit Schreiben. Sobald man das Dokument fertiggestellt hatte, konnte man nicht mehr weiterschreiben. Und wie konnte man die Arbeit, die dieses Werk gekostet hatte, würdigen? Wie konnte man den Schweiß der Hand und den Wert des Inhalts selbst festhalten? Ganz klar: Indem man es mit Leder überzog und mit Symbolen prägte.

Einige tausend Jahre später wurde ein revolutionäres Gerät erfunden. Eine Maschine namens Drucker, mit der man Kopien jedes Dokuments erstellen konnte, das jeder, der neugierig war, lesen konnte. Man musste nur jeden Stempel mit jedem Buchstaben so anordnen, wie es der Schriftsteller wollte, und den Stempel auf das Papier drücken. Schließlich wurden die Seiten mit den Deckblättern zusammengefügt. So entstanden unsere wunderschönen Kreationen: die Bücher.

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